Was nehmen Sie mit auf Reisen und was wollen Sie einpacken? Mein Beruf und meine Neugierde bringen es mit sich, dass ich sehr viel reise. Pro Jahr bin ich etwa 200 Tage unterwegs. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie wenige Menschen sich doch mit dem Packen auskennen. Für Stadtereisen packe ich anders, als für eine Safari, nach Hongkong im Juni brauche ich anderes Gepäck als nach Reykjavik im November. Im Juli und August dieses Jahres bin ich in sechs Wochen einmal um die Welt gereist. USA, Japan, China… mir genügten 20 kg an Gepäck um bestens zurecht zu kommen. Und gerade komme ich von 14 Tagen Workshop in Ägypten zurück. Shamanic Consciousness, da reichten ebenfalls 20 kg an persönlichem Gepäck (und weitere 20 kg Workshopzubehör, um ehrlich zu sein).
Die Reise in diesem Jahr war ein Test für die Flexibilität. Stadt, Land, Fluss, Wüste. Einfachstes Zelt mit Schlafplatz im Sand und Fünfsternehotel mit vergoldeten Wänden. Von den Interessenten und Teilnehmern werde ich immer vor der Reise immer wieder gefragt: Was soll ich mitnehmen und wie packe ich das alles ein?
Deshalb schreibe ich heute diesen Artikel mit all meinen Erfahrungen über das Packen, exemplarisch für das Beispiel SC 21 und mit ganz konkreten Produktempfehlungen inclusive der jeweiligen Weblinks. Keiner der Links ist gesponsert, wenn ich gute Erfahrungen mit Produkten mache, empfehle ich sie auch gerne weiter. Viele Produkte gibt es ähnlich auch anderswo. Lassen Sie sich einfach inspirieren und klauen Sie sich dabei so viele Ideen für Ihr Reisekonzept, wie Sie wollen.
Mein Packkonzept beruht auf mehreren Grundkonzepten:
Das Beutelkramkonzept
Das Zwiebelkonzept
Das Schlappenkonzept
Das Schlafkonzept
Das Minimalkonzept für erste Hilfe
DAS BEUTELKRAMKONZEPT:
ALLES, was ich brauche habe ich in zwei Gepäckstücken verpackt. Und in diesen beiden Gepäckstücken habe ich widerum alles in Beutel und Container verpackt. Mit Kennzeichnung finde ich schnell, was ich brauche, ohne Unordnung zu stiften. Und das Packen geht auch viel schneller.
Gepäckstück Nummer eins: Mein TUMI Rucksack.
TUMI ist eine Schweizer Marke. Teuer, superpraktisch und saugut. Ich hab ihn in Los Angeles für die Hälfte des Normalpreises gekauft, immer noch für 180 USD. Habe es nie bereut, soviel Geld ausgegeben zu haben. Diesen Rucksack habe ich immer am Mann. Alle mein Geld, meine Tickets, meine Wertgegenstände sind darin.
Ich kenne zwei Sicherheitskonzepte auf Reisen. Das erste ist das Streukonzept. Alles wird auf unterschiedliche Plätze verteilt. Dann gehen im Ernstfall auch immer nur Einelstücke verloren. Das Zweite ist das Konzentrationskonzept: alles auf einer Stelle. Dann gibt es auch nur einen Ort, auf den Sie aufpassen müssen. Ich mache beste Erfahrungen mit der Konzentration. In den letzten fünf Jahren ist mir dabei kein einziges Stück abhanden gekommen.
In den Rucksack kommt die LUMIX Digitalkamera, eingewickelt in ein Aldi Mikrofasertuch und in einen wasserdichten STS Beutel. Links in der Aussentasche befindet sich mein Schreibzeug. Das ist ein Netzbeutelchen mit zwei Multilinern SP von copic in 0,2 und 0,7 mm, einem normalem Kugelschreiber (zum Ausfüllen von Passdurchschreibeformularen, ein roter und schwarzer Edding (Marker permanent), mehrere Foldback Klammern (ersetzen jede Geldklammer und halten Unterlagen bestens zusammen) sowie eine LED Taschenlampe (aber was für eine) mit Kordel aus Reepschnur zum Umhängen. Damit ist sie des Nachts sofort griffbereit.
In der rechten Aussentasche steckt mein wasserdichtes Brillenetui. Darin jeweis zwei Sätze Einmal-Kontaktlinsen. Trotz meiner Brille habe ich mich an die Eintages Kontaktlinsen 1 Day Acuvue von Johnson und Johnson gewöhnt. Beim Tauchen, Skifahren und bei vielen anderen Gelegenheiten ist eine Brille einfach hinderlich. Und diese Kontaktlinsen vertrage ich bestens.
Gepäckstück zwei: Der riesige Base Camp Duffle Bag
Aus gelbem Tarpaulin, das ist beidseitig kräftig PVC-beschichtetes Polyestergewebe, spritzwassergeschützt und sanddicht. Der Duffle ist riesengross (145 Liter Volumen) und beherbergt damit auch die dicke Isomatratze und den Schlafsack. Dieses Gepäckstück checke ich am Flughafen ein. ALLES, was ich gepackt habe, ist entweder in Beutel, oder Plastikcontainer verpackt.
Ein großer, fester STS Beutel fasst meine aufgerollten Hosen. Den Rolltrick habe ich von einem Vogue-Stylisten, der mit Modefotografen um die ganze Welt reist. Das Rollen verhindert die Falten, die sonst entstehen. Ich selbst ziehe zum Reisen eine bequeme Jeans an und verpacke zwei Leinenhosen, eine sandfarbene und eine dunkelbraune – fertig.
Ein weiterer STS Beutel ist für die kurzen Hosen. Eine oder zwei Leinenhosen in 6/8, eine Khakishort und eine abgeschnittene amerikanische Militärhose. Auch hier fertig. Ein kleiner STS Beutel ist für das Badezeug, wasserdicht heißt hier auch, dass der Beutel bei nassen Badehosen den Rucksack trocken hält.
Socken und Unterhosen packe ich in einen GraniteGear Beutel, ebenso meine ärmellosen Achselshirts. Die Kurz- und Langarmhemden, sowie die Sweatshirts kommen in den Pack it Folder, in den anderen Pack it Folder kommen meine T-Shirts. Ein weiterer STS Beutel ist für die Trainingshose, Wollsocken und den Kapuzenpulli. Nach Sonnenuntergang ist es schnell kühl und wenn das Gepäck abgeladen ist, will ich meine warme Kleidung gleich griffbereit haben.
Die üblichen Kleinigkeiten wie Erste Hilfe, Handy, Batterien usw. habe ich in diverse Plastikcontainer der Marke Curver Aroma Fresh gepackt. Der 1l Behälter ist universell verwendbar. Diese Behälter bekommen Sie in Küchenbedarfsgeschäften, bei Karstadt und bei Kaufhof. Davon habe ich einen für die Erste Hilfe, einen für die nützlichen Dinge und einen zur Reserve.
Alle Beutel sind ich mit Filzstift markiert, soweit sie nicht sowieso durchsichtig sind.
DAS ZWIEBELKONZEPT:
Zwei dünne Baumwollsweatshirts wärmen besser, als ein dickes. Wenn ich in Länder reise (zum Beispiel Ägypten), wo es starke Temperaturunterschiede gibt, ziehe ich lieber mehrere Schichten übereinander an – oder aus. Beispielsweise trage ich in der Mittagshitze ein leichtes T-Shirt . Am kühleren Nachmittag kommt darüber noch ein dünnes, langärmeliges Sweatshirt. Nach Sonnenuntergang ziehe ich eine Kapuzenjacke über und wenn Wind ist, nutze ich einen Schal, den ich mir in Kairo oder Siwa sehr preiswert gekauft habe.
Bei den Hosen funktioniert das nicht so gut. Deshalb habe ich zum schnellen Wechseln den Beutel mit der dickeren Trainingshose aus Baumwolle parat. Ich habe mir übrigens die dicke Hose eine Nummer grösser gekauft und den Gummizug unten abgeschnitten. Es macht mir nichts, dass die Hose etwas ausfranst, so ist sie VIEL bequemer…
DAS SLIPPERKONZEPT:
Außer bei langen Wanderungen (mehr als 3 Stunden) und zum Bergklettern trage ich in warmen Ländern (auch Ägypten) ganztags meine Reef – Slippers. Allgemein bekannt unter dem Namen “Jesuslatschen”. Da gibt es edle Varianten, ganz in Leder und einfachere aus Plastik. Gewöhnen Sie sich vor einer Reise an die Zehenhalterung, sonst gibt es auf der Reise unangenehme Überraschungen mit Blasen zwischen den Zehen. Auf Reisen sind diese Slipper extrem praktisch.
In den Moscheen muss man die Schuhe ausziehen. Ich mache mich meist über die Schnürstiefeltouristen lustig, die fünf Minuten brauchen, um die Schuhe aus- und wieder anzuzuiehen. Ich schlüpfe heraus und stecke sie in eine mitgebrachte Plastiktüte und dann gleich in den Rucksack. So erspare ich mir auch das Schlangestehen. Am Abend wasche ich meine schmutzigen Füsse schneller sauber, als ein Paar Socken. Und getrocknet ist die Haut ebenfalls schneller. Und zuletzt atmet mein Fuss viel freier, die Haut ist trocken, ich vermeide Fusspilz.
Selbst nachts in der Wüste liebe ich die trockene Kälte des Sandes. Wenn meine Füsse zu kalt werden, laufe ich in den dicken Wollsocken direkt im Sand, ein ganz neues Gehgefühl.
DAS SCHLAFKONZEPT:
Wenn wir in der Wüste übernachten, sucht sich jeder seinen Schlafplatz selber aus. Entweder im grossen Zelt, geschützt vor Wind und Witterung, oder irgendwo draussen in den Felsen, zwischen Sanddünen, auf der Bergspitze oder wo auch immer sonst. Dazu gibt es einfache Schaumstoffmatratzen und dicke Kamelhaardecken und auch genug Schlafsäcke zum Ausleihen. Ich nehme seit Jahren trotzdem mein eigenes Zeugs mit. Da weiss ich genau was ich habe. Mein Konzept hat sich bewährt und ein guter Schlaf des Nachts gewährleistet den vollen Genuss für die intensiven Erlebnisse während des Tages.
Das Wichtigste für mich ist eine gute Isomatratze. Wegen der Härte mache ich mir im Sand keine Sorgen, dünne Matratzen lassen allerdings schon mal die Kälte des Bodens durch. Dann verspannen die Hüftmuskeln und das schmerzt. Dann nützt der beste Schlafsack obendrüber nix. Bei Globetrotter hatten sie 6 verschiedene Sorten zur Auswahl. Ich habe alle ausprobiert und mich für die Airtach Confort Mat entschieden. Mit knapp 100 Euro ist sie wesentlich preiswerter, als andere und ist mittlerweilen bestens bewährt. Das Ventil der Isomatratze öffne ich gleich, wenn der Fahrer das Gepäck abgeladen hat. Es dauert ca. 10 min. bis sie sich selbst vollständig aufgeblasen hat. Nach einigen zusätzlichen Hilfsblaserchen taugt mir der Liegekomfort. Und jetzt kommt der Clou. Ich schlafe in einem Cocoon Tropenschlafsack. Bei einer Kälte von ca. 2 Grad Celsius. In der 220 cm langen Version. Der Katalog spricht von einer “Reisedecke für sommerliche Tempereturen”. Von wegen, ich komme mit einer darüber gelegten, dicken Kamelhaardecken manchmal ganz schon in die Temperaturpredoullie. Es ist so schön warm, dass ich Nachts in T-Shirt und in Unterhosen schlafen muss, um nicht zu schwitzen.
DAS MINIMALKONZEPT FÜR ERSTE HILFE:
Verpackt in einen kleinen Container habe ich nur Dinge dabei, die ich auch wirklich brauche. Zuoberst steht da bei mir mein bestens funktionierendes Reise”medikament”, homöopathisches NUX VOMICA C200. Ich nehme es immer, wenn etwas zu viel wird. Zu viel Alkohol, Nikotin, Erlebnisse, Veränderung, was auch immer. Eine kleine Glasflasche davon habe ich immer auf Reisen in der Tasche, Ersatz habe ich im Container.
Ein weiteres, sehr nützliches homöopathisches Mittel ist OKOUBAKA D12 vorbeugend für und bei bereits eingetretenem Durchfall. Diesbezüglich kann ich ausdrücklich das kleine Büchlein “Homöopathischer Ratgeber Reisen” von Ravi Roy empfehlen. Für jeden Tag habe ich ein Trinkfläschchen OrthomolImmun gegen Vitaminmangel und für eine bessere Sonnenverträglichkeit im Gepäck.
Das Wichtigste, weil es eine Reise schnell beenden kann, ist Nahtband für Platzwunden. Ich nutze den Suture Strip Plus ¼ in x 3 in. den mir ein Schönheitschirurg empfohlen hat. Auch grosse Platzwunden lassen sich so sicher schliessen. Dazu kommt ein kleines Fläschelchen Grapefruit Seed Extrakt, ohne das ich nie auf Reisen gehe. Wunddesinfektion war nie einfacher und schneller. Eine Rolle Leukoplast 5m x 5 cm ist gut für alle Falle und eignet sich auch zur Reparatur, zum Blasenschutz und vielem anderem.
Hier nochmals meine Packliste für SC21 nach Artikeln.
BEKLEIDUNG:
1 lange Jeans
2 lange Baumwoll- oder Leinenhosen
2 Langarmshirts 2 Kurzarmshirts
4 T – Shirts 4 Paar Socken
1 Paar dicke Wollsocken
1 warme Mütze für die Nacht
2 leichte Sweatshirts
4 Unterhosen/Panties
3 Sport- oder anderer BH nach Bedarf
1 Kapuzenshirt
1 Fleecejacke
1 leichte Windjacke
1 Schal (einfach in Ägypten zu bekommen)
1 Badehose
1 Handtuch (Mikrofaser)
verschiedene Packbeutel (siehe Text)
1 Paar Jesuslatschen
1 Paar Mokassins
1 Paar Turnschuhe
Schlafsack
Isomatratze
TOILETTENARTIKEL:
1 Zahnbürste + Zahnpasta und Zahnhygjeneartikel nach Bedarf
1 Flüssigseife
3 Packungen Hakle feucht
div. persönliche Hygieneartikel und Frauenhygiene nach Notwendigkeit Lippenpflege (ohne Vaseline z.Bsp. von Weleda)
1 Tube Weleda Skinfood
1 Dose Ultrasun Liposomen Sonnenschutz
1 Mückenschutz (Autan o.ä.)
NÜTZLICHE DINGE:
1 Campingessbesteck
1 Taschenmesser
20 m Reepschnur 5mm o.ä.
1 aufblasbares Sitzkissen
1 LED Taschenlampe + Reservebatterien
div. Mikrofastertücher (z.Bsp. von Aldi)
div. Ziplock Tüten (z.Bsp. um die Hakle feucht Packung herum)
Kunststoff Container 1l
1 Tagebuch A5 (z.Bsp. www.paperblank.de)
Tesaband schwarz oder rot, Textil 5 cm breit
1 Thermoskanne (gibts preiswert bei Ikea)
1 Thermos- oder Plastikbecher
Früchtettebeutel oder Kräutertees nach Belieben (gibt’s in Ägypten nicht so…) div. Werbekugelschreiber als Geschenke
ERSTE HILFE:
1 GSE Grapefruit Seed Extract (wichtigster Mitnahmeartikel in der Reiseapotheke)
Omniflora Darmbakterien gegen Durchfall
OKOUBAKA D12 vorbeugend und bei akutem Durchfall und Magenrumoren.
Wirkt ebenfalls immunstimulierend (homöopathisch).
Orthomol Immun Trinkfläschchen gegen Vitaminmangel und Sonnenunverträglichkeit, wirkt immunstimulierend.
SUTURE STRIP Wundverschluss-Streifen
ist Nahtband für Platzwunden ¼ in x 3 in.)
1 Rolle Leukoplast 5m x 5 cm (auch zur Reparatur geeignet)
Ich freue mich auch sehr über nützliche Tipps von Ihnen, die diesen Blog ergänzen werden. Vielen Dank dafür.
« What I did on Stage (in Experimental Hypnosis) – Nachlese SC21 2006 »

Also, ich muss sagen, dass ist ja ein wirklich grundlegender Text. Hut ab. Chris, was würden wir ohne Dich tun?
Kommentar: annkathrin – 30. November 2009 @ 16:45
Hier noch eine Reisepackliste für einen 3-tägigen Aufenthalt in Binz auf Rügen, geschrieben im Herbst 1993.
Zahnbürste
Zahnseide
Deostift
Nagelfeile
Kamm
Bürste
Shampoo
Haarspülung
Schlafanzug
3 Unterhosen
1 Büstenhalter
1 x Socken
Saunasandalen
Badeanzug
Scheckkarte
Schecks
Haustürschlüssel
Roman
1 Paar feste Schuhe
1 Tuch
3 T-Shirts
1 x Perlon-Kniestrümpfe
beige Hose
Regenjacke
2 Pullis
1 Jacke
Ich finde, Reisepacklisten sind literarisch einfach katastrophal unterbewertet.
Kommentar: annkathrin – 01. Dezember 2009 @ 20:16
Nachtrag:
Zahnpasta
Tampons
Kommentar: annkathrin – 02. Dezember 2009 @ 09:01