Kaum ein Buch hat mich in den letzten Jahren so nachdenklich gemacht, wie die Lektüre von David R. Hawkins: Power vs Force (deutscher Titel: Die Ebenen des Bewußtseins). Ich verdanke den Tipp einem aufmerksamen Workshopbesucher. Seltsam, während ich sonst eher zögerlich auf die vielen Ratschläge zum Lesen von Büchern zu reagieren pflege, bestellte ich dieses Buch – trotz des eher kryptischen Titels – sofort im Netz. Und las es.
Um es kurz zu beschreiben: Hawkins kam auf die Idee, Kinesiologie zu Hilfe zu nehmen um eine, wie er es nennt, “Landkarte des Bewusstseins” zu erstellen. Der Aufwand, den er zu betreiben beansprucht, ist immens. Er und ein Team von Helfern testeten tausende von Personen, um Begriffe für Bewusstseinszustände, Prozesse, Weltsicht und Gottverständnis in skalierbare, zahlenmäßig fassbare Relation zueinander zu bringen.
Den niedrigsten Wert setzt er bei 1 (gerade noch am Leben) an, Scham hat 25, der höchste Wert findet sich bei 1000 (für den Zustand der Erleuchtung). Bei einem Wert von 250 siedelt er den neutralen Zustand an.
Hier ist ein Scann der Karte aus der englischsprachigen Originalausgabe.

map of consciousness
An dieser Stelle will ich weder Zweifel an der Wirksamkeit der Methode “Kinesiologie” anmelden, noch an Hawkins Methoden, mit denen er diese Landkarte erstellt hat. Als Arbeitshypothese nehme ich den “as if frame” aus dem NLP, der mir diesbezüglich schon oft beste Dienste geleistet hat und stelle mir folgende Frage:
“Was hat es für mich für Konsequenzen, wenn das, was er in seinem Buch beschreibt und postuliert, wahr ist?”
Ich bin zu folgendem ersten Ergebnis gekommen: Als Lehrer für Veränderungsprozesse hätten diese Informationen für mich eine große Tragweite. Es gäbe dann tatsächlich eine Landkarte, mit der ich und jeder einzelne Mensch herausfinden kann, wo er in seiner Entwicklung steht und wohin der Weg gehen kann. Eine solche Landkarte würde mir mögliche Wege aufzeigen, Schritt für Schritt, Stufe für Stufe bei mir und Anderen Prozesse einzuleiten, ohne notwendige Schritte zu überspringen.
Für mich ist dies wichtig genug, mir ausführlichere und analytische Gedanken darüber zu machen, ob und wie ich die daraus gewonnenen Erkenntnisse in mein Leben integrieren will. Also habe ich das Buch erneut gelesen. Einige Kleinigkeiten störten mich bei dieser zweiten Lektüre in meinen Gedanken und so habe ich mir die Informationen auf meine eigene Art und Weise aufbereitet. Folgen Sie mir in meinen Gedanken:
1. Der Gottesbegriff:
Hawkins verwendet in seinem Buch durchaus den Begriff “Gott”. Das stört mich. Es gibt nach seiner Aussage nur wenige Erleuchtete der Geschichte der Menschheit. Er zählt dazu Lord Krishna, Lord Buddha, Lord Jesus Christ. Ich nenne hier die englischsprachigen Begriffe, weil er explizit den Begriff “Lord” für diese Klasse von Menschen reklamiert. Für den Fall der katholischen Kirche weiß ich von der Dreieinigkeit des Gottesbegriffes, vom Vater, vom Sohn und vom heiligen Geist. Das sind theologische und religionspolitische Spitzfindigkeiten.
Ich halte es da aus eigenem Erleben eher mit Robert Monroe oder Esther Hicks. Sie trennen klar zwischen Menschen unserer Welt, gleich auf welcher Bewusstseinsebene und jenen höheren Wesen, die Sphären angehören, die uns normal nicht zugänglich sind. Hawkins merkt auch ausdrücklich an, dass seine numerische Skala ausschließlich für diese Welt bestimmt ist. Sie hat nach oben keine Begrenzung, sobald wir diese Welt verlassen. Für mich ist die Welt jenseits unserer fassbaren Welt genauso vielfältig, wie unsere Welt. Es existieren ebenso viele Schwingungsebenen immer höherer Ordnung, wie sie Hawkins so differenziert für unsere Welt darlegt.
Zu allen Zeiten haben “Mystiker” und “Heilige” diese Ebenen geschaut und sind von diesen Ebenen zurückgekehrt, verklärt durch das Referenzerleben der “unendlichen Liebe” (niedrigste Grundschwingung auf der “anderen Seite”) und die Wahrnehmung höher schwingender Wesenheiten. Aus der Begrifflichkeit des jeweiligen Kulturkontextes ist es für mich durchaus verständlich, wenn nach solch mystischen Erfahrungen der Betreffende erklärt: “Ich habe Gott geschaut.” Die Religionen unserer Welt bauen darauf auf.
Wenn Hawkins den Begriff “Gott” und “beten” für sich reklamiert, tut er das in einer durchaus religiös motiverten Art und Weise. Ich vermute, er gebraucht diese Begriffe, um es sich mit der grossen, religiös motivierten Leserschar seines Heimatlandes nicht zu verderben. Für mich ist dies nicht akzeptabel, Hawkins wird aus diesem Grunde auch von seinen Kritikern als religiöser Fundamentalist angegriffen. Die Botschaft, die er mit seinem Buch vermittelt, ist mir jedenfalls zu wichtig, um mich davon ablenken zu lassen. Ich ersetze in Gedanken für meine Zwecke den Begriff “Gott” mit “höhere Wesenheit” und nehme den Begriff “Gott ist…” in seiner Landkarte als kulturrelevanten Ersatz für jene höhere Wesenheit.
2. Übersetzung:
Die deutsche Version der amerikanischen Originalausgabe ist sehr sensibel übersetzt. Es gibt editorische und übersetzerische Anmerkungen zu Beginn – und doch fehlt mir ein wesentlicher Aspekt. Worte sind Aneinanderreihungen von Buchstaben für tatsächliche Zustände. Aus eigenen Arbeiten und Experimenten weiß ich, dass sich, schon kulturbedingt, beispielsweise der Begriff der Schuld, wie wir ihn in Deutschland verwenden, nicht vollständig mit dem Begriff von “Guilt” deckt, wie er im amerikanischen Sprachgebrauch verwendet wird. Ich zweifle also (zumindest theoretisch) and der Korrektheit der deutschen Übersetzung der Landkarte. Auch aus übersetzungstechnischer Sicht sind mir mehrere Begriffe in den Sinn gekommen, die manchen englisch beschriebenen Bewusstseinszustand besser klassifizieren. Wir haben dies im engen Kreis diskutiert und sind übereinstimmend gleicher Meinung. Im besten Falle hätte man also (oder hat man, ohne es anzumerken), auch die deutsche Landkarte des Bewusstseins kinesiologisch verifizieren sollen.
3. Skalierung
Es ist schon interessant, dass Hawkins den Gedanken einer les- und interpretierbaren Landkarte nicht zu Ende denkt. Ich bin darauf gestossen, als ich für die Zwecke dieses Artikels eine kompilierte Verision der Landkarte herstellte. Hawkins listet die einzelnen Zustände einfach auf, ohne ihnen auf der Skala, die er selbst eingeführt hat, den richtigen Platz zu geben. Das habe ich getan und das überraschende Ergebnis finden Sie hier:

HIER können Sie ein DIN A4 .pdf davon öffnen.
Wenn ich den Wert für Neutralität (250) verdopple, stoße ich genau an die Grenze, bei der die Liebe beginnt. Zwischen dem Wert 0 und 250 listet Hawkins neun differenzierte Ebenen, zwischen 250 und 500 nur drei. Je höher wir also schwingen, desto weniger Ausdrucksmöglichkeiten haben wir (listet Hawkins) für diese Zustände. Für die komplette Skala von 500 bis 1000 listet er dann auch nur vier Wörter auf. Das bedeutet offensichtlich, dass er die unterhalb des neutralen Zustandes angesiedelten Zustände viel genauer differenziert. Hawkins könnte JEDEN Bewusstseinszustand, den er wählen will, in diese Liste aufnehmen. Warum wählt er also genau jene Worte, die in dieser Liste auftauchen? Ist das ein Spiegel unserer (der amerikanischen) Gesellschaft?
4. Einige Anmerkungen zu meiner kompilierten Version
Ich habe die amerikanischen Begriffe der Originalausgabe immer unter die deutschen Begriffe gestellt. An manchen Stellen stimme ich mit der Wahl Übersetzung nicht überein, habe meine Wahl jedoch nicht explizit markiert. Dies können Sie bei Interesse selbst einfach durch Vergleich herausfinden. Die Farben für die Zustände habe ich intuitiv gewählt. Sie dienen nur zur Illustration und leichteren optischen Navigation.
Mit meiner Version der Hawkinschen Landkarte werde ich in der nächsten Zeit arbeiten. Im Handbuch für den Practitioner und im Workshopformat werden meine Erkenntnisse die erste Anwendung finden. Schreiben Sie mir, welche Erfahrungen Sie selbst mit dieser Landkarte machen und wie sie die Informationen in Ihrem Alltag anwenden. Andere Leser können sehr davon profitieren. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
« ROM - auditorisch aus dem Vollen gelebt. – TrainerTrack Teil 3: Platform Skills in Lanzarote »

Ich habe das Buch Power vs. Force vor ungefähr einem halben Jahr gelesen,
bevor ich mich mit Esther Hicks beschäftigt habe.
Zunächst mal will ich sagen, dass ich die Ausdrucksweise, auch mit Formulierungen wie “Gott” in Ordnung finde, diesen Begriff nutzt Esther Hicks beispielsweise auch gelegentlich in Workshops, der einzige Unterschied ist für mich, dass Hawkins keine alternativen Bezeichnungen angibt.
Die Skala der Emotionen hat mir in ein paar Kernpunkten geholfen:
zunächst mal bei den negativen Emotionen.
Ich finde es gut, dass die negative Seite so detailliert dargestellt wird, weil ich glaube, dass auch in den höheren Bereichen der Skala ja wahrscheinlich die Beschäftigung mit diesen unteren Emotionen für den Fortschritt sorgt.
Für mich sind hier ein paar Dinge klar geworden, sowohl gesellschaftlich aber vor allem für mich selbst.
Die Tatsache, dass Scham und Schuld so weit unten stehen hat mir zum ersten mal bewusst gemacht, wie destruktiv speziell diese Emotionen sind und mich dazu angehalten, mich damit genauer zu beschäftigen.
Ausserdem habe ich festgestellt, dass ich ein Problem mit meiner Wut hatte und durch diese Skala ist mir klar geworden warum, hier kommt auch der gesellschaftliche Aspekt ins Spiel:
Wut und Stolz, die für mich verwandt scheinen, stehen erheblich höher (die Skala ist logarithmisch), als Emotionen wie Angst, Depression, oder Hoffnungslosigkeit. Das erklärt für mich das Phänomen HipHop und auch die Frage, warum ich diese Musik so gerne gehört habe: HipHop sorgt für den spirituellen Fortschritt von Jugendlichen (wie mir) die Emotionen wie Hoffnungslosigkeit spüren.
Dadurch ist mir dann auch klar geworden, warum ich im Grunde nicht aufhören wollte, wütend und arrogant zu sein und ich konnte mir eine Alternative schaffen, die den Weg nach oben für mich geöffnet hat.
Ich frage mich, wie man das möglicherweise auf einer breiten Basis nutzbar machen kann, indem man beispielsweise die HipHop-Strömung gesellschaftlich integriert, die aufkochende Wut bei den Jugendlichen zulässt und dadurch spirituellen Fortschritt katalysiert. Fortschritt
Was mir noch aufgefallen ist, ist, dass ein enormer Bruch zwischen Verstand und Liebe, also an der Grenze 500 existiert.
Ich bilde mit ein, in der Lage zu sein, bestimmte Argumentationen anhand dieser Grenze intuitiv einordnen zu können und ich glaube, dass hier der Knackpunkt bei jeglicher Art der Heilkunst liegt:
Menschen, die unter der ebene 500 agieren scheinen kaum in der Lage zu sein, ganzheitlich zu denken und echte Hilfe anzubieten.
Leider bleibt es bei dieser Anmerkung, weil ich nicht weiß, wie man das irgendwie nutzen kann.
Das war jetzt ein langer Kommentar, danke Chris für deine ständigen Anreize weiter zu denken.
Comment: Blogbesucher – 14. Juni 2009 @ 20:15
Ich habe das Buch bisher nicht gelesen. Dafür arbeite ich seit über einem Jahr mit der Landkarte der Emotionen. In meiner ist noch ein wichtiger Aspekt drin, der vor der Schuld rangiert: Das schlechte Gewissen. Das hat nix mit sG zu tun, wenn ich beim Bäcker ein Brötchen klaue. Dafür viel mit den sG gegenüber Systemen. Und genau deshalb ist es für die Veränderungsarbeit einer der Schlüsselpunkte. Und impliziert letzten Endes: “Keine veränderung ist ohne schlechtes gewissen möglich!” Dazu ein Beispiel: Stell Dir vor, Du entstammst einer Familie von Taschendieben. Dein Ansehen wird grösser, je mehr Portemonnaies Du klaust. Ehrenrührig ist das nicht sondern systemgewachsenen (über Generationen) Broterwerb. Etwa wie Banker, nur ehrlicher:-)
Nun entdeckst Du eines Tages Potential, das in Dir schlummert und entdeckst, dass es ziemlich perspektivenlos ist, bs ans seelige Ende Portemonnaies zu klauen. Und bei der Berufsberatung erschliessen sich Dir Welten und Du findest Deinen Traumjob: Kriminalkommissarin…
Der Beruf erfüllt Dich, macht Spass nur jedesmal, wenn Du einen Kleinkriminellen schnappst kannst Du Dich nicht freuen. Denn etwas ist da, dass jedesmal Energie frisst. Deine. Und irgendwann brichst Du ein.
Der Grund dafür: Das unbewusste schlechte Gewissen gegenüber Deinem System meldet sich. Denn Deine Familie hat Dich verstossen - Verräter!
Und obwohl Du Deine Berufung gefunden hast und eigentlich glücklich wärst, muss Deine “Seele” erst mal begreifen, dass der Preis, den Du für Deine neue Freiheit zahlst gar nicht geschuldet ist. Und wenn sie das begriffen hat - meist mit ein wenig fremder Hilfe - dann hat sich’s ausgeschlechtesgewissent.
Comment: Auch ein Blogbesucher – 20. August 2009 @ 21:55