Andreas Fuls ist Wissenschaftler für Geodäsie und Geoinformationswissenschaft an der Technischen Universität in Berlin. Er datiert die Geschichte der Maya neu.

Gleich drei astronomische Ereignisse kamen am 19. Dezember des Jahres 830 n. Chr. in Mittelamerika zusammen: Es war Wintersonnenwende, zugleich Neumond und die Venus zeigte sich das erste Mal in einem neuen Zyklus als Morgenstern. Diese Kombination ist so selten, dass Maya-Gelehrte sie damals in einem Kalender vermerkten – natürlich ohne die Angabe des Datums nach unserer Zeitrechnung. Wie alt dieser Eintrag und viele weitere Angaben in Maya-Handschriften sind, Andreas Fuls mithilfe astronomisch-mathematischer Formeln auf den Tag genau berechnet. Dabei kam er zu einem verblüffenden Ergebnis. Die Maya-Kultur und ihre einzelnen Phasen datiert der Archäoastronom Fuls völlig anders als die bisherige Maya-Forschung.
Nach seinen Berechnungen spielte sich die Geschichte der mittelamerikanischen Hochkultur 208 Jahre später ab als bislang angenommen. Das könnte Folgen haben. Denn gemäß einigen Interpretationen in okkulten Kreisen prophezeite der Maya-Kalender für den 21. Dezember 2012 den Weltuntergang. Der würde sich nun auf das Jahr 2220 verschieben. Bisher galt unter Maya-Historikern eine vor Jahrzehnten entwickelte Standardchronologie als unumstößlich: Demnach lag etwa die „Klassik“, in der die Kultur ihre Blütezeit erreichte, ungefähr im dritten bis neunten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Ab 900 n. Chr., so glaubte man, gaben die Maya immer mehr Städte auf, die Bevölkerungszahlen sanken, schließlich kollabierte die Gesellschaft. Diese Datierung stützte sich vor allem auf Dokumente der Kolonialherrschaft aus dem 16. und 17. Jahrhundert, anhand derer Ereignisse der Maya-Geschichte datiert wurden.
Seit Jahren passt Fuls Einzelereignisse der Kultur in diese Chronologie ein – mit bislang ungenutzten Methoden: Kalender und Monumente, die heute noch erhalten sind, geben nicht nur Auskunft über Daten der Maya-Geschichte, beispielsweise Herrscherwechsel, religiöse Feste oder Kriege. Sie enthalten auch Angaben zum Sonnenstand, zum Mondalter, zu Finsternissen sowie zur Sichtbarkeit der Venus. „Doch bei den Stichproben ergaben sich immer wieder Lücken“, sagt Fuls.
Fuls’ Hauptquelle für das Projekt war der “Dresdener Kodex”, die Abschrift eines Maya-Kalenders, die heute in der Sächsischen Staats- und Landesbibliothek lagert. Auf 39 eng mit Hieroglyphen beschriebenen und mit Kalk beschichteten Seiten führt das Faltbuch Ereignisse aus der Maya-Zeit, beispielsweise religiöse Kulte, sowie ihre astronomischen Merkmale auf. Fuls verglich die Angaben mit denen auf Maya-Monumenten in Mexiko, um sicherzugehen, dass seine Interpretationen der astronomischen Kalenderdaten richtig sind. Am Ende prüfte er die Kombinationen in den Einträgen mit einem speziell entwickelten Computerprogramm. Es kann, mithilfe der heute gängigen Formeln, auf den Tag genau berechnen, wann in den vergangenen Jahrhunderten Finsternisse eintraten oder wie sich Mond- und Venuslaufbahn verhielten. Die im Kodex aufgelisteten Ereignisse ließen sich so eindeutig in der christlichen Zeitrechnung festmachen. Allerdings 208 Jahre später als in der gängigen Datierung. Die klassische Phase der Maya-Geschichte würde demnach im fünften Jahrhundert beginnen und ihr Niedergang etwa ab dem Jahr 1100 n. Chr.
Die Frage, warum die Maya ihre Zentren aufgaben und ihre Kultur unterging, müsste folglich neu aufgerollt werden: Eine große Dürre, Epidemien oder Kriege – all die Ursachen, über die Forscher streiten, müssten sie anhand der neuen Chronologie untersuchen. Auch die Einflüsse anderer Kulturen auf die Maya erscheinen aufgrund der verschobenen Daten in einem anderen Licht. Die häufigste Reaktion anderer Maya-Forscher auf die neue Datierung sei bisher jedoch „totale Ablehnung“ gewesen, berichtet der TU-Forscher Fuls. Doch es gibt auch bestärkende Reaktionen.
Andere Forschungsergebnisse untermauern die von ihm erarbeitete Chronologie. Beispielsweise spricht die Datierung von Obsidian, das im heutigen Mexiko gefunden und geologisch untersucht wurde, für Fuls’ Datierung. Außerdem hat sich ein spanischer Epigraphiker bei ihm gemeldet, der bei seinen Untersuchungen der Maya-Schriften, wenn er der alten Zeitrechnung folgte, immer auf eine Lücke von rund 200 Jahren stieß. Die wäre nach den neuen Erkenntnissen geschlossen, so dass sich eine kontinuierliche Entwicklung der Maya-Schrift ergeben würde. Für organische Funde, die mit der Radiokarbonmethode – besser bekannt als C14-Verfahren – untersucht wurden, gelte eine Ungenauigkeit von etwa 150 Jahren in der Datierung, erklärt Fuls. Berücksichtige man diese Schwankung, würden die bisherigen Funde auch in seine Chronologie passen. „So taggenau wie die Astronomie ist einfach keine andere Methode“, betont der Wissenschaftler.
Weitere Untersuchungen, etwa anhand anderer Inschriften, könnten angewendet werden, um den tatsächlichen historischen Phasen der Kultur auf die Spur zu kommen. Auch er wolle sich weiter mit den Maya beschäftigen und arbeite sich dafür immer wieder in neue Disziplinen und ihre Forschungsergebnisse ein, erzählt Fuls. Er habe eben „einen Status quo angegriffen“, sagt er mit Blick auf die ablehnenden Stimmen anderer Maya-Kenner. Es sei normal, dass jede gewagte Idee erst einmal Ablehnung provoziere – bis sich vielleicht eine neue Erkenntnis durchsetzt. “Die Diskussion hat gerade erst begonnen.” (Erschienen zuerst im gedruckten Tagesspiegel vom 31.10.2009. Hier gekürzt und geändert wiedergegeben.)
« Wo das @ Zeichen herkommt. – Das perfekte weiche Ei. »

Lieber Chris,
mehr als interessant dieser Beitrag und es wundert mich mal wieder nicht, dass du ein etwas anderer Maya Kenner bist. Hast du schon mal einen Blick auf die Deutung des Maya Kalender nach Calleman/Lunggold gewagt. In deren Welt ist der Kalender eine Landkarte der Bewusstseins, kommt dir irgendwie bekannt vor? Schade ist, dass mit dem Ende des Kalenders ein Weltuntergang vorhergesagt wird. Dies ist nirgend wo in okkulten Schriften zu lesen. Es ist vom Ende der Zeit zu lesen, nicht vom Ende der Welt. The Mayan Calendar Comes North - Ian Xel Lungold - google doch das mal.
liebe grüsse
sunlounger
Comment: Fragender – 07. November 2009 @ 09:54
Hi Chris,
am Wochenende war ich in dem Film “2012″ . Noch als ich im Kino saß, dachte ich, dass es wohl gut wäre, diesen Blog zu lesen. So konnte ich dann beruhigt schlafen.
Viele Grüße
Inge
Comment: Inge – 23. November 2009 @ 16:24
Panik……was mach ich jetzt mit meinen ganzen Verbindlichkeiten die ich mit Tilgungsaussetzung bis 2013 abgeschlossen habe
Chris ich danke dir, jetzt kann ich mich wieder gut dabei fühlen ein Alter Weiser Mann zu werden………..
Comment: Michael – 25. November 2009 @ 09:26
Da wird sich der Roland Emmerich aber nicht freuen wenn er seinen Film umbenennen muss =)
Comment: Birgit – 27. November 2009 @ 13:40
ob 2012 oder 2220 oder 22220 ……it´s better to live NOW ;))
und wer wüßte det better than me;O))) also denn ma *happy leben ;)*
Comment: Torti – 01. Dezember 2009 @ 17:46
Hallo lieber Chris,
interessantes Thema.
Hast du in diesem Zusammenhang auch mal die Bibel genauer auf Inhalte und Zuverlässigkeit der Inhalte/Angaben untersucht bzw. geprüft?
Ich krieg die sehr unterschiedlichen Voraussagen aus Bibel und Mayakalender nicht in einen logischen Zusammenhang, eines von beiden ist da möglicherweise grundlegend im Irrtum.
Herzliche Grüße
Tobias
Comment: Tobias – 10. März 2010 @ 11:44