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Das perfekte weiche Ei.

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Wie kocht man das perfekte weiche Ei? Eine einfache Frage mit einer scheinbaren einfachen Antwort. Man nimmt das Ei aus dem Kühlschrank, legt es vorsichtig in das Wasser und koche es einige Minuten.

Aus Sicht eines Naturwissenschafters ist dies weit weniger einfach. Es stellen sich zuerst wichtige Fragen:

1. Welche Temperatur muß das Ei besitzen?
2. Soll das Ei in kaltes oder heißes Wasser gelegt werden?
3. Wie verhindert man das Springen des Eis?

Wenn man ein durchschnittliches Ei 3 Minuten kocht, erhält man ein zu weiches Ei. Erst bei einer Kochdauer von rund 5 Minuten wird es perfekt – wieso? Sehen wir uns dazu ein normales Ei genau an:
dasei

Woraus besteht denn ein Ei?
Ein Ei besteht aus der Schale, einer zweilagigen Haut, die sich bei der Luftblase trennt, dem Eiweiß und dem Eigelb, das durch spiralig gedrehte Stränge in der Mitte gehalten wird. Das Ei als Ganzes enthält rund 74% Wasser, 12 % Proteine und rund 11% Lipide. Wenn Sie nun bis hierher gelesen haben, könnten Sie durchaus meinen, daß ein weiches Ei einen schönen Einstieg in den Tag darstellt. Eine chemische Analyse wird Sie wohl auch nicht davor bewahren, das Ei zu lange bzw. zu kurz zu kochen. Deshalb hier das Wesentliche: Das Eiklar besteht aus zwei Arten von Eiweiß: dem Ovalbumin und dem Conalbumin. Das Conalbumin gerinnt bei 61.5°C und das Ovalbumin bei 84.5°C. Der Dotter beginnt bei 65°C zu stocken.

Wie kocht man also denn nun ein Ei?
Ich kenne Personen, die immer den selben Topf, die gleiche Menge an Wasser und die selbe Anzahl an Eiern verwenden. Durch eine längere “Erfahrungsphase”  finden diese Leute die optimale Kochzeit und das korrekte Prozedere für ein perfektes Frühstücksei heraus. Kommen nun aber Gäste zu Besuch, oder muss der Proband in einem Fremden Haushalt kochen (möglichst noch unter weiblicher Aufsicht…), gelingen die Eier nicht und der ganze Tag (und vielleicht sogar die darauf folgende Nacht, oh je) sind verpatzt. Wir brauchen also dringend eine kritische Betrachtung der wichtigen Parameter beim Eierkochen. Und so geht es los:

Zwei Möglichkeiten, ein Ei zu kochen.
1. Das Ei in kaltes Wasser legen, und dann das Wasser zu erhitzen.
2. Das Ei in heißes Wasser legen.

Das Ei in kaltes Wasser zu legen und zu kochen funktoniert nur dann, wenn alle Variablen (Wassermenge, Eianzahl usw.) gleichbleiben. Wenn mehr oder weniger Wasser im Topf ist, dauert es unterschiedlich lange, bis das Wasser kocht. Genauso, wenn das Wasser eine unterschiedliche Temperatur hat. Aus diesen Gründen ist es sinnvoll, zu warten bis das Wasser kocht und man dann erst die Eier einlegt. Werden sehr viele Eier gekocht, muß man rechnen, daß sich die Temparatur des kochenden Wassers durch die kalten Eier drastisch erniedrigt. Damit verlängert sich natürlich die Kochdauer. Dies kann man vermeiden, wenn man ausreichend Wasser zum Sieden bringt. Wie lange muss man also nun ein Ei kochen, damit das Eiklar hart und das Eigelb weich wird?

In verschiedenen Kochbüchern findet man als Zeitangabe 3 Minuten. Erstaunlicherweise kann man ein 3- Minuten Ei auch 5 bis 6 Minuten kochen. Dies erklärt sich zum einen dadurch, daß zuerst das Eiweiß erwärmt wird. Das Eiweiß beginnt bei bei 61.5°C zu gerinnen – das Eiklar wird milchig, richtig hart wird es erst wenn eine Temperatur von 84.5°C erreicht wird. Dem Ei wird kontinuierlich Energie über das heiße Wasser auf der Eioberfläche zugeführt. Damit das Eiklar stockt, benötigt es Energie. Diese Energie wird als Erstarrungsenergie bezeichnet. Also wird während der Gerinnung des Eiklars keine thermische Energie an das Eigelb weitergegeben. Das erstarrende Eiklar wirkt als thermischer Isolator für das Eigelb.

Erst wenn das Eiklar als Ganzes fest ist, kann die Wärme des Wassers über das Eiklar den Dotter erwärmen. Der Dotter wird erst bei rund 65°C stocken. Dann haben wir ein hartes Ei. Interessanterweise beträgt die Zeit bis das Eiklar eine Temperatur von 80°C erreicht hat rund 3 Minuten. Dann beginnt die Erstarrungsphase. Während der Erstarrungsphase bleibt das Eigelb weich. Die Zeit bis das Eiklar erstarrt, beträgt rund 2-3 Minuten. Das ist die Zeit, in der man das Ei herausnehmen muss, um ein weiches Ei zu erhalten. Also nochmals für die Junggesellen: Um sicher zu gehen, legen Sie das Ei ins kochende Wasser und kochen es 5 Minuten. Dann nehmen Sie es heraus und haben das perfekte 3-Minuten Ei. So einfach, soweit.

Eine interessante Näherungsformel für das Eier-Kochen aus der Physik:
Ostern: das Fest des Eies

Der Durchmesser d des Eies wird in Milimeter angegeben – an der schmälsten Stelle, TWasser ist die Temperatur des kochenden Wassers, also rund 100°C. Das Ei kann aus dem Kühlschrank kommen, oder es wurde bei Raumtemperatur gelagert. Die Starttemperatur TStart beträgt meist zwischen 4°C (Kühlschrank) und 20°C (Raumtemperatur). Die gewünschte Endtemperatur des Inneren des Eies wird in Tinnen angegeben. Wenn man ein weiches Ei haben möchte, dann sollte der Wert T innen = 62°C und bei einem harten Ei – T innen = 82°C betragen. Wenn man in die Formel einsetzt, erhält man die Kochdauer t in Minuten – physikalisch ungewöhnlich, aber praktisch.

Ostern: das Fest des Eies

Damit erklärt sich aber immer noch nicht warum ein 3-Minuten Ei rund 5-6 Minuten gekocht werden muß, wenn man das Eiweiß hart und das Eigelb weich haben will. Nun, die Bezeichnung “3-Minutenei” stammt einfach aus dem 19. Jahrhundert. Damals waren die Eier um einiges kleiner und da waren 3 Minuten ein guter Richtwert. Heute findet man im Handel meist Eier mit einem bedeutend größerem Durchmesser.

Warum springt ein Ei im heißen Wasser ?
Es hält sich hartnäckig die Meinung, daß die Luftblase beim Kochen die Schale sprengt. Deshalb wird des Öfteren mit einer Nadel ein Loch am unteren Pol des Eies gestochen. Das Ei springt aber meist an ganz anderen Stellen auf… Und warum springt es zu Beginn des Kochvorganges, wenn die Luftblase noch nicht ausreichend erwärmt wurde? Die Erklärung ist einfach: In der Schale bauen sich Spannungen auf. Bei Temperaturänderung kann es passieren, daß die Schale aufgrund dieser inneren Spannungen bricht. Durch eine absichtliche Störung der Struktur der Eischale, kann es zu einer Entlastung der Struktur kommen und die Eischale als Ganzes bricht nicht so leicht. Das Loch sollte nur deshalb bei der Luftblase geschlagen werden, damit das Eiweiß nicht ausdringen kann. Dort teilen sich auch die beiden Häute. Eine Haut liegt an der Innenseite der Schale, die andere liegt am Eiklar an.

Es hilft auch das Ei vor dem Kochvorgang in Essig zu legen. Essig dringt in die feinen Spalten der Schale ein und der Kalk wird etwas gelöst. Dies führt zu einer Entlastung der Schalenstruktur. Der Schuß Essigwasser im kochenden Wasser führt allerdings zu keiner Lösung des Problemes – die Einwirkungsdauer des Essigs ist zu kurz.

Der andere Grund, warum Eier springen liegt in der Blasenbildung. Wenn wir ein Ei in heißes Wasser legen, dann gerinnt direkt unterhalb der Eischale das Eiweiß. Wenn die Temperatur ausreichend groß ist, dann wird auch das Wasser im Eiweiß so stark erwärmt, daß sich Dampfblasen bilden. Dies kann schon bei Temperaturen von 90°C geschehen. Diese Dampfblasen stellen eine starke abrupte Volumensänderung dar. Wenn dies zu häufig im Inneren des Eies zu stark vorkommt, dann wird das Ei ebenso platzen . Und dagegen gibt es leider kein Mittel.

Hier noch Literatur für die Perfektionisten:

VILGIS, Thomas:
Die Molekül-Küche. Physik und Chemie des feinen Geschmacks.

ROUX, Michel:
Eier
(Hat eine zweiseitige Beschreibung nur zum Rühreier kochen…)

Dieser Beitrag wurde am Freitag, 11. Dezember 2009 um 18:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemeines abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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7 Kommentare »

  1. Lieber Chris,

    herzlichen Dank für deine Näherung zur Kunst des Eierkochens.

    Sicherlich ist dir schon der Unterschied aufgefallen, zwischen in Hong Kong und in Berlin gekochten Eiern. Und das liegt nicht nur an den Eiern sebst, sondern auch am Luftdruck aufgrund der Höhe über dem Meeresspiegel. Für den technisch versierten Nomaden gibt es hier die iPhone App namens EierMeister. Von einem findigen Landsmann, der in langen Messreihen auch diesen Einfluss gemessen und systematisiert hat und aufgrund der Geometrie, des Luftrucks und der gewünschten Härte die Kochzeit vorschlägt.

    Doch selbst dieser Autor hat unterlassen, wesentliches in der Fachliteratur nachzuschlagen. In einem bahnbrechenden Artikel, erschienen vor mehr als 15 Jahren in der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaften, haben Physiker beschrieben, in welchem Korridor der Temperaturverlauf des Wassers bleiben muss, damit sowohl das Eigelb weich bleibt, als auch eventuell vorhandene Salmonellen abgetötet werden. Etwas, das mit der Standard-Kochmethode nicht funktioniert (zu schnell) und weswegen der deutsche Gesetzgeber in der Gastronomie hartgekochte Eier vorschreibt. Vielleicht kennt ja noch einer der geneigten Leser die genaue Ausgabe der Zeitschrift.

    Hier wird Wissenschaft für den gesundheitsbewussten Weicheiliebhaber wirklich relevant.

    Herzlichst,
    dein Gerd

    Kommentar: Gerd – 22. Dezember 2009 @ 13:44

  2. Hühner können aufgrund der großen Kälte zur Zeit nur wenige Eier legen. Sie benötigen ihre Energie für sich selber, um sich zu wärmen. Da bleibt bei ihnen für Gedanken an die Fortpflanzung wenig bis gar nichts übrig. Weil zudem noch viel Schnee liegt, müssen Hühner im Moment im Stall bleiben und können nicht raus, weil sonst Füchse die Hühner reißen würden, die bei dieser Witterung draußen nichts zu fressen finden und hungern müssen. Da könnte es doch auch für unsereiner schön sein, drinnen zu bleiben und die Wärme der Wohnung zu genießen, durch das Fenster nach draußen zu gucken in die verschneite Straße und die dick vermummten Menschen zu beobachten, die dort gehen und frieren. Da schmecken zum Aufwärmen finnische Bratäpfel mit Haferflockenkruste und selbstgemachter Vanillesoße. Wir, im Winter, zurück gezogen in unsere dunklen Bärenhöhlen, mit warmen Bratäpfeln im Bauch, am Tisch sitzend und Geschichten erzählend. Zeit für Erholung von der Unruhe und den Anstrengungen des vergangenen Jahres, zum Rückzug nach innen um aufzutanken für das kommende Frühjahr, wo die Natur wieder erwachen wird und jedem einen Neuanfang verspricht und wir durchstarten können, gestärkt durch die mentalen Reserven, die wir uns während unseres Winterschlafs zulegen konnten.

    Zu Weihnachten ein Beitrag über gekochte Eier – dann ist wohl zu Ostern mit einem Artikel über die industrielle Produktion von Rentierschlitten in Lappland oder ähnlichem zu rechnen.

    Kommentar: Ypno – 07. Januar 2010 @ 10:05

  3. Hätte da noch eine gute Literaturempfehlung:
    “Werner Gruber – Die Genussformel – Kulinarische Physik”
    http://www.amazon.de/Die-Genussformel-Kulinarische-Werner-Gruber/dp/3902404590

    Alleine das Kapitel über Eier umfasst 35 Seiten + 6 Seiten Rezepte

    Unterhaltsam, wie auch lehrreich!

    Kommentar: chrishan – 03. Juni 2010 @ 20:52

  4. …passend dazu diese App:

    http://www.androidzoom.com/android_applications/health/my-perfect-egg-timer-pro_hwon.html

    LG

    Kommentar: Martin – 25. Oktober 2010 @ 20:01

  5. ….wie bei Sushi und TeeMeistern kann derjenige der es oft macht irgendwann intuitiv alle subbewußten Parameter erfassen und stets perfekte Eier kochen. Wobei wie immer gilt: Nicht reden (und drüber schreiben) – sondern Arsch hoch und es ganz bewußt machen. Schamanen und Zen Meister sind sich sehr ähnlich … sie werden via ShapeShifting zum Ei und spüren in welchem Zustand sie sind…..

    Ah ja… Damit ein Ei perfekt schmeckt ist IMHO die Herkunft weit wichtiger als die Verarbeitung. Je nach Fütterung ist das taktile Gefühl ebenfalls sehr unterschiedlich von weich zu hart gekocht.

    Am besten schmecken mir Eier wenn ich sie als Geschenk der Schöpfung empfinde. Das macht einfach mehr aus ihnen

    Kommentar: Michael Schecker – 14. November 2010 @ 01:52

  6. Noch eine technische Lösung, falls das Rechnen zu anspruchsvoll ist:

    http://www.wissenschaft-shop.de/Themenwelten/Physik-Mathematik-Chemie/Golden-Ei-Die-singende-Eier-Uhr-Die-Geschenk-Idee.html

    Kommentar: heinZ – 04. Januar 2011 @ 13:41

  7. Hallo,

    ich habe aufmerksam den sehr interessanten Artikel über das Eier kochen gelesen. Dabei ist beim lesen des Satzes “Der Durchmesser d des Eies wird in Milimeter angegeben – an der schmälsten Stelle, …” in mir die Frage gereift, wo ist die schmälste Stelle des Eies??? Eigentlich geht doch der Ei-Durchmesser kontinuierlich gegen 0!?
    …oder sollte es doch “an der dicksten Stelle” heißen?
    Da der Artikel aber wohl schon einige Jahre hier steht, wäre dieser Fehler allerdings längst jemandem aufgefallen. Also wo liegt mein Denkfehler?

    Viele Grüße
    Andy

    Kommentar: erdna renkcürb – 10. April 2011 @ 08:04

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